Betäubt
 


"Flach", antwortet Obelix am Ende von "Asterix bei den Schweizern" auf die Frage, wie denn Helvetien als Land gewesen sei, nachdem er über das Erlebnis der Schweizer Bergwelt - Alkohol sei Dank - schlafend hinübergerutscht ist.

Mag man der Cervisia auch noch so entsagen: Vorbeigerutscht am wirklichen Urlaubserlebnis ist ein Rollstuhlfahrer auf sonderbar betäubte Weise doch auch oft, und manche spätere Erzählung wird dem entsprechenden Land oder Ort vielleicht so gerecht werden wie die von Obelix.
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Eine betonierte Rampenwelt, in der man alle Sinne auf "Aufnahme" schalten könnte, wird man kaum als Urlaubsziel wählen, während einen die technischen Hürden der sehenswerten Erdfleckchen im Extremfall so sehr in Beschlag nehmen können wie - ja, wie eben das verheerende Faß den Gallier.

Dann wird die preßlufthammergleiche Fortbewegung auf dem Pflaster von Ephesos (das hoffentlich bleibt) ebenso für die Türkei stehen, wie die endlosen Abgründe der U-Bahn-Treppen Inbegriff von London oder irgendwelche Toiletten mit der räumlichen Üppigkeit von Bundesbahn-WCs die bleibende Erinnerung an Berlin sein werden.

Außer für Kopfsteinpflaster, U-Bahn und Klo auch noch den Blick, die Kraft und genügend inneren Freiraum für das Eigentliche zu haben, bedarf manchmal wirklich der anstrengenden Konzentration, die mit dem Bemühen eines Betrunkenen um einen klaren Kopf vergleichbar ist.

Fazit: Rollstuhlfahrer im Urlaub sind Mentalalkoholiker, auf deren Äußerungen man nicht allzuviel geben sollte (quod erat demonstrandum):

"Na, wie war denn Berlin so als Stadt?"  -  "Klein."
 

 
 
Kai Malte Fischer, 1990




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