Auf dem Land das Licht


        
Ich laß dich los,
laß dir dein Los.
Zieh, Liebste, unverzagt:
Gewinnt doch nur, wer wagt,
wer wogt im Wind.
Verwandter sind
wir dann vielleicht,
vielleicht viel leichter
mit der Zeit.
Verzeiht und seid
bewahrt, ihr Stunden,
die verschwunden,
auch verschwendet
an das Wollen:
Wie verblendet
spann ich Wollen:
Schmusewolle,
Maschenwolle,
Willenwellen,
vage Quellen,
Wogenfühlen
zwischen Stühlen...
Wortgedrechsels Satzgewinn,
Sprachschatzschürferei nach Sinn,
und im Reden
blieb kein Leben,
lebt kein Lieben.
Wolken blieben
von den Worten,
und sie sieben
allerorten
aus dem Land das Licht.
Bleibt Zuversicht
manchmal ganz leise,
wenn sehr fein
die wahre Weise
ganz allein
und frei und unbedingt
in der Seele singt:
"Ich laß dich los,
ich halt dich nicht!"
Dann liegt da wieder warm und groß
auf weitem Land das Licht.
Zieh, Liebste, deinen Weg, dein Los!
Was hindert dich? Ich lieb dich bloß...
so klar ist das und schlicht
wie auf dem Land das Licht.

        


Kai Malte Fischer, 1995




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