Verwundert
 

Im Mittagslicht liegt auf dem Schotterweg ein buntes
Kinderrad und ist ein wenig verbeult
Daneben erschrocken ein kleiner Indianer
War eben auf Büffeljagd - doch wie er heult

Hockt da ohne Rappen
In seiner Prärie
Die Hose in Lappen
Und hält sich sein Knie

Da war dieses Schlingern
Der staubige Grund
Und unter den Fingern
Jetzt Blut plötzlich und
Ein Weinen und Wimmern
Ein Züngeln wie Zunder

Was wund ist wird wunder
Und wird immer schlimmer
Und dunkler und runder
Und später ist immer
Ein wenig verwundert
Wer jene vergessene Narbe entdeckt
Als hätt' dort vor hundert
Und soundsoviel Jahr'n eine Katze im Spiel ihre Krallen gestreckt

Ein andrer geht abends den Schotterweg, und er
Verbirgt seine Augen ganz in seiner Hand
Schon lang kein Pirat und Indianer mehr, doch es ist
Als wär'n ihm Schiff und Prärie abgebrannt

Noch hat ihn am Kragen
Das Frauenparfüm
Als griffe seit Tagen
Sie selber nach ihm

Und dieses Erinnern
Und aus ist es, aus
Und zwischen den Fingern
Rinnt alles heraus
Ein Weinen und Wimmern
Zieht an ihm herunter
 
Was wund ist wird wunder
Und wird immer schlimmer
Und dunkler und runder
Und später ist immer
Ein wenig verwundert
Wer jene verborgene Narbe entdeckt
Als wäre vor hundert
Und soundsoviel Jahren sie hingetupft worden von einem Insekt

Und was Wind ist wird Winter
Und bald wieder dreht er
Und wieder beginnt er
Und immer ist später
Was wund war doch wunderbar
Büffeljagd und manch gebliebener Duft
Die mögen noch hundert
Und soundsoviel Jahre uns unter der Haut stecken und in der Kluft
    
    

Text und Musik:
Kai Malte Fischer, 1996


Start
Cartoons
Illustrationen
Lieder
Prosa und Lyrik
Webdesign
Beifang
Der Fischer
Links
Kontakt
Zum Seitenanfang