Verborgen
 

"Sucht mich, wo bin ich..."
Ich preßte die Hände mir aufs Gesicht
und lachte und dachte, so sehn sie mich nicht,
und freute mich: heute gewinn ich!

"Sucht mich, wo bin ich..."
Ich lugte vergnügt durch mein Fingervisier:
Bisher hatten sie nie so lange nach mir
gerufen, doch auch nie so grimmig...
  

Nun sind seit jener Kinderzeit
Jahrzehnte schon verronnen,
dieses Spiel jedoch hab ich bis heut
ganz hoffnungslos gewonnen:

Denn ich bin unsichtbar seither,
obwohl doch nicht verschwunden.
Wenn mich zufällig wer fand, hat er
mich unheimlich gefunden.

Zu Anfang war's ein Riesenspaß:
Ich trieb die tollsten Faxen
mit den Leuten, aber plötzlich war's
mir leid und ich erwachsen.

War als Gespenst doch so allein:
Mir wollte niemand trauen,
war als Unsichtbarer augenschein-
lich längst nicht zu durchschauen.

Darum wollt ich wieder faßbar sein,
für alle Augen offen,
und so hüllte ich mich gänzlich ein
mit weiten Mantelstoffen.

Im Dunkel der Kapuze war
ich fast wie unverborgen,
ich bin durch das Tarnen meiner Tar-
nung wahrnehmbar geworden.

Und doch bleib ich der Welt suspekt,
ob sichtbar oder heimlich,
denn in jedem Fall bin ich versteckt
und wirke un-wahrscheinlich.

Bin ich in Wahrheit nur ein Schein,
ein selbst erträumtes Spuken?
Dauert dieses schleierhafte Sein
womöglich erst Minuten?

So will ich die zumindest halb-
wegs kurzweilig gestalten
und mich wieder kreativ als Alp-
traum anderer entfalten.

Mit dem Mantel macht's besonders viel
Vergnügen: an manch tristen
Tagen geh ich durch den Park und spiel
den Exhibitionisten.
 
 

Text und Musik:
Kai Malte Fischer, 1997


 
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