Blauer Dunst im Konzert     
 

Es wohnt der Nebelschleierleu
auf Tritonugae Alpha Zwei
(im Sternbild Ursa Melior)
und kommt sich ungebildet vor.

"Ach, wäre ich nur kultiviert",
so seufzt er völlig deprimiert,
"Ich kenn nicht einen fremden Stern!
Verreisen, ja, das würd ich gern!"

Und irgendwann macht er es wahr
und setzt sich in den Interstar.
Als erstes auf dem Flugplan steht
ein bläulich schimmernder Planet.

Wie ist der Anblick grandios!
Das Sternchen ist zwar nicht sehr groß,
doch die Kultur der kleinen Welt
soll ganz enorm sein - wird erzählt.

Kulturtourismus aus dem All,
so heißt es, sei hier illegal,
der Reisende in Sachen Kunst
verwandle sich in blauen Dunst.

Der so getarnte Leu steigt aus
und steht erregt vor einem Haus,
aus dem heraus es seltsam quietscht...
und schon ist er hineingewitscht.

Die Lebewesen innendrin,
er glaubt, die nennt man "Pinguin" ,
und wo die wohnen, ist es kalt,
und deshalb drängen die sich halt.

Der Königspinguin ganz vorn
hat anscheinend in großem Zorn
sich von der Masse abgewandt
und fuchtelt sich um den Verstand.

Ganz eingeschüchtert schweigen sie,
jedoch dem König vis-à-vis
behauptet sich ein kleines Heer
und setzt sich mit Radau zur Wehr.

Das Quietschen, ja, von hier erschallt's:
Sie pressen Kistchen an den Hals
und hau'n und scheuern Stöcke dran,
wenn heftig wird der Hampelmann.

Und wird er allzu zügellos,
muß einer mit zwei Prügeln bloß
auf etwas großes Rundes hau'n -
so hält den König man im Zaum.

Zum Lärmen hat ein Teil im Heer
auch Rüssel, g'radeaus und quer,
und Löcher drücken sie hinein,
dann quieken die ganz hundsgemein.

Auf einmal scheint vorbei der Streit,
der König lächelt ganz befreit
und wendet sich versöhnlich um
zu seinem Volk und macht sich krumm.

Das Volk jedoch ist voller Wut
und findet plötzlich seinen Mut,
nach vorn zu schmeißen bunte Sachen
und nun selber Krach zu machen:

Sie alle hauen fürchterlich
auf ihre eig'nen Greifer sich
und produzieren solch Getös,
daß vorne die Armee wird bös.

Denn blitzartig erhebt sich die
nun königstreue Kompanie,
schaut machtbewußt im Raum herum
und macht sich hinter'm König krumm.

Das Volk steht auf und ruft und pfeift.
Der Nebelschleierleu begreift,
daß ein Gerücht war die Kultur:
Auf diesem Stern hier kämpft man nur.

Der Nebelschleierleu reist ab:
Für Krieg ist ihm die Zeit zu knapp,
und wo man so's Gehör verhunzt,
gibt es bestimmt auch keine Kunst!
 
 

Text und Musik:
Kai Malte Fischer, 1993


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