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Abend auf dem Alten Friedhof Unter dem finsteren Efeugewächs An der Mauer gleich bei der Kapelle Da fällt auf das Grab Nummer neun-fünf-sechs Ein allerletzter, zarter Klecks Der Februarabendhelle Ein niedriges Bett, und am Fußende lehnt Diese kleine, verwitterte Platte "Caroline Christine" liegt hier, und man wähnt "Siebzehnhundert..." zu lesen, und moosgetönt Wer ihr das Denkmal gewidmet hatte Auf dem Bett liegt eine lächelnde Frau Wie kurz eingeschlummert beim Lesen Die Falten der Zudecke zeigen genau Und verhülln doch den zierlichen Körperbau Im Stein das zerbrechliche Wesen Ein Junge mit Hund, der kurz hier verharrt
Bis das Zerren der Leine ihn fortreißt Eine Frau steht da, die auf die Steintafel starrt Und ein Pärchen sucht neugierig ihren Rat Was die Zahl da und dort dieses Wort heißt Ein Herr tritt hinzu und er grüßt sehr diskret Hebt leise den Hut und verneigt sich Und er lauscht, was man über die Inschrift berät Bis alle erschrecken, weil's hinterrücks kräht Ein geistig Behinderter zeigt sich Und eine Familie mit suchendem Blick Spaziert nach vergeblichen Runden Über den Friedhof zum Eingang zurück Dann rufen sie plötzlich erleichtert: "Ein Glück Jetzt ham wir sie doch noch gefunden" Die steinerne Frau hat die linke Hand Lose unter dem Busen liegen Die andere hält einen schmalen Band Mit dem Daumen geöffnet, und unverwandt Zeigt ihr Mund ein verträumtes Vergnügen Auch heut ist sie wieder mit Zweigen geschmückt Frischen Blumen und Laub und dergleichen Ein Schneeglöckchen hat jemand für sie gepflückt Und es ihr in die lockigen Haare gedrückt Wo die Strahlen nun langsam verbleichen Ein Mann kommt daher mit gewichtigem Gang
Um hier seine Pflicht zu erfüllen "Wir schließen jetzt, alle zum Hauptausgang" Und sie gehen den Weg an der Mauer entlang Und zurück bleibt das Lächeln im Stillen Text und Musik: Kai Malte Fischer, 1999 |
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